Ev.-Luth. Kirchengemeinde
Klein Wesenberg

Kirchengeschichte

Bereits um 1075 beschrieb Adam von Bremen in der von ihm verfassten „Hamburger Kirchengeschichte“ den Grenzverlauf des Limes Saxonia unter Berufung auf eine Urkunde aus der Zeit Karls des Großen in lateinischer Sprache.

Auch ich habe eine Festlegung der sächsischen Grenze jenseits der Elbe durch Karl den Großen und andere Kaiser gefunden; sie verläuft folgendermaßen: Vom Ostufer der Elbe bis zu dem Flüsschen, das die Slawen Mescenreiza nennen. Oben trennt sich der Limes von ihm und verläuft im Delvenauwalde bis an die Delvenau. Von ihr kommt man an den Hornbeker Mühlenbach und an die Billequelle. Von da geht man weiter zum Liudwinestein und Wispircon und die Barnitz. Dann läuft sie auf die Sumpfbeste bis zum Travewald und aufwärts durch diesen zur Blunkerbach-Niederung. Dann führt sie zum Ackerrandwald und steigt geradenwegs an bis zur Furt über den Ackerrandbach. Dort bestand Burwido einen Zweikampf gegen einen Slawenkämpen, den er tötete. Hier steht ein Gedenkstein. Von diesem Gewässer weg läuft die Grenze oben und fällt in den Stocksee ab. Dann kommt man an das östliche Schwentinefeld und an die Schwentine selbst. An ihr läuft die Sachsengrenze aus in Skytenmeer und Ostsee.

dt. Übersetzung - Dieses Wispircon wird von den meisten Historikern mit dem heutigen Groß und Klein Wesenberg verbunden

Ein chronologischer Überblick zur Kirchengeschichte

1186
wurde das Kloster Reinfeld auf Veranlassung von Graf Adolf III. von Holstein von Zisterziensermönchen aus dem Kloster Loccum als Kloster Reynevelde gegründet. Am 10. Mai 1189 unterzeichnete Kaiser Friedrich I. (Barbarossa) in Regensburg eine Gründungsurkunde. Im November 1190 zog der erste Abt Hartmannus mit 12 Mönchen in das provisorische Kloster ein, die endgültige Klosterkirche wurde vermutlich erst 1236 geweiht.

Erstmals wurde 1186 eine Kirche erwähnt, welche auf einem religiösen Thingplatz oberhalb der Trave errichtet worden war. D.h. die 1186 erwähnte Kirche/Kapelle wurde bereits vor dem Kloster in Reinfeld errichtet. Möglicherweise im Rahmen der Missionstätigkeit von Vicelin. Die Reinfelder Mönche bauten dann die bereits vorhandene Kirche um. Der religiöse Thingplatz oberhalb der Trave mochte Grund dafür sein, dass die Kirche in dem winzigen und unbedeutenden Dorf Klein Wesenberg und nicht etwa in dem größeren Westerau errichtet worden ist. Sie ist nach Reinfeld die älteste Kirche in Oststormarn.

Das Kloster Reynevelde erwarb das Patronat und die Rechte sicher wegen dieses alten Heiligtums. Die Kirche von damals wird beschrieben als aus Ziegeln errichteter rechteckiger, gewölbter Bau mit schönen Malereien an den Wänden und Sandsteinportalen, welche sicherlich in der Klosterbauhütte hergestellt wurden. Zum Kirchspiel gehörten bzw. gehören: Klein Schenkenberg, der am Weg dorthin gelegene Rittersitz derer von Wesenberg, das Gut Trenthorst, das Lübecker Stiftsdorf Westerau, Heidberg, beide Barnitz und im Osten Reecke. Niendorf und Moorgarten gehörten bis 1967 zum Kirchspiel Klein Wesenberg, dann wurden die Orte nach Lübeck umgepfarrt.
1882
Am 30. April 1882 schlug der Blitz in das unten an der Trave gelegene Fährhaus. Mit ihm wurden die Schule und die alte, auf der Höhe gelegene Kirche ein Opfer der Flammen. Ein starker Sturm machte es den elf angerückten Feuerwehren unmöglich, der wütenden Elemente Herr zu werden. Nur wenige Gegenstände, wie der Taufstein, das Altarkreuz, das Wetke’sche Wappen und der Opferstock blieben erhalten. Von 1871 bis zum Brand war Carl Georg Friedrich Genzen Pastor in Klein Wesenberg. Ihm folgte 1882 Ernst Wilhelm Conrad Brodersen. Er war bis 1901 Pastor in Klein Wesenberg. In seine Amtszeit fiel der Wiederaufbau der Klein Wesenberger Kirche.
Bild: Die Ruine nach dem Brand 1882
Die Ruine nach dem Brand 1882

1884
Am 23. März 1884 wurde der Grundstein für die neue Kirche gelegt. Im Dezember 1883 war die Ausführung des Baus für 34.900 Mark an den Reinfelder Baumeister Voss vergeben worden. Architekt und Bauunternehmer der neu erbauten Kirche war P. Voss aus Reinfeld. Mit dem Bau des Schul- und Organistenhauses auf der Pastoratskoppel wurde dieselbe Firma beauftragt. Kosten: 15.500 Mark. 1884 erhielt die kleine Kirche auch zwei Glocken. Sie wurden von der Firma Collier aus Berlin gegossen.

1885
Am 27. März 1885 konnte die neuerbaute Kirche eingeweiht werden.
Das Konsistorium für den Holsteinischen Kirchenbau bewilligte am 9. Mai 3.000 Mark für die Herstellung der Kanzel und des Altars. Die neue Orgel lieferte die Firma Marcussen und Søhn aus Apenrade in Dänemark für 5.000 Mark.
1907

erhielt die Kirche einen neu gestalteten Altarraum. Altar, Kanzel mit Schalldeckel und sichtbarem Treppenaufgang sowie das Patronatsgestühl sind nicht mehr vorhanden. Nur die drei Kronleuchter stammen noch aus dieser Zeit.

Bild: Altarraum vor 1911
Der Altarraum vor 1911

1910
Am 1. April 1910 wurde die Ortschaft Groß Wesenberg aus der Reinfelder Gemeinde ausgepfarrt und dem Kirchspiel Klein Wesenberg einverleibt. Diese Tatsache darf wohl auch mit dem Brückenbau zwischen den beiden Dörfern über die Trave in Zusammenhang gebracht werden.

1911

Der Besitzer der Güter Trenthorst und Wulmenau, Thörl, schenkte der Kirche einen Altar und eine Kanzel. Der Turm erhielt eine Turmuhr mit Schlagwerk.

Bild: Altarraum nach 1911
Der Altarraum nach 1911

1917
Die große Glocke und die 29 vorderen Pfeifen der Orgel mussten als Kriegsmaterial für den 1. Weltkrieg abgeliefert werden.

1919
Am 12. Januar 1919 wurde auf dem Klein Wesenberger Friedhof ein Ehrenmahl für die 76 Gefallenen aus dem Kirchspiel eingeweiht.

1920
Pastor Gustav Petersen schied aus seinem Amt aus. Er bekleidete sein Amt seit 1902. Sein Nachfolger war Pastor Wilhelm Wasner. Er war von 1920 bis zu seiner schweren Krankheit und plötzlichem Tod 1924 in unserer Gemeinde tätig.

1925
Die Kirchengemeinde Hamberge wurde mit der Kirchengemeinde Klein Wesenberg durch Personalunion des Pastors verbunden.
Am 1. November wurde Pastor Jürgen Stoldt in sein Amt eingeführt. Die Kirchengemeinde Hamberge wurde mit 25 % der Dienstzeit vom Klein Wesenberger Pastor mit betreut.

1931
Am 20. September wurde zwei Kirchenglocken geweiht. Damit war wieder ein Dreiergeläut vorhanden.

1932
Vom 8. bis 10. Oktober fand in Klein Wesenberg das Jahresfest für „Kirchliche Musik“ statt – In der Gemeinde wirkte der Bachchor. Zu diesem Fest kommen 3000 Besucher. Es war ein großes Ereignis.

1936
Die Turmuhr wurde wieder instand gesetzt.

1938
Pastor Stoldt wurde Gemeindepastor in Bad Oldesloe und zugleich Propst in der Propstei Segeberg.

1939
übernahm Pastor Gustav Böhmke am 1. Advent sein Amt in unserer Gemeinde. Er wurde aus Trittau nach Klein Wesenberg versetzt, weil er dort den Nationalsozialisten nicht genehm war. Pastor Böhmke blieb bis 1951 Gemeindepastor der Kirchengemeinde Klein Wesenberg.

1943
Auch die Kirchengemeinde Klein Wesenberg musste wieder zwei seiner drei Glocken für kriegswichtige Zwecke abgeben.

1945
Der 2. Weltkrieg hat auch in unserem Kirchspiel viel menschliches Leid hervorgerufen. Der Flüchtlingsstrom aus den Ostgebieten ließ die Gemeinde über einige Jahre stark anwachsen.

1951
Pastor Lolling aus Zarpen war fast ein Jahr lang Vakanzvertreter.
Ab 21.10. war Hellmut Gronau Pastor bis 1956.

1953
wollte die Kirchenvertretung das Pastoratsgebäude wegen seines desolaten Zustandes abreißen lassen. Man einigte sich aber auf umfangreiche Reparaturarbeiten und konnte somit das alte Haus erhalten.
Die Kirchengemeinde bekam zwei neue Glocken gespendet.

1954
Der Grabstein des Ritters von Wesenberg, ein altes Denkmal der Kirchengemeinde, wurde vom Friedhof in die Kirche gebracht, um dort vor der Verwitterung geschützt zu sein.

1956
Am 19. Februar wurde Pastor Gerhard Bredner in sein Amt eingeführt

1961
Am 17.Januar wurde vom Kirchenvorstand beschlossen, die von den Architekten Sandtmann und Grundmann, Hamburg-Wandsbek, eingereichten Entwürfe auszuführen. Dabei wurden die alten Pollog-Fenster im Chor entfernt und das große Auferstehungsfenster des Kunstmalers Siegfried Assmann in Groß-Hansdorf im Jahr 1962 eingebaut. Die seitlich im Altarraum befindlichen Pollog-Fenster wurden in die Nordwand versetzt. Diese wurden im Herbst 2008 restauriert. Wo sich das alte mittlere, dreigliedrige Chorfenster heute befindet, ist unbekannt. Ebenso ist nichts vom Vorgängerfenster aus dem Jahr 1885 bekannt. Weiterhin entfernt wurden der gesamte hölzerne Altarumbau, der Schalldeckel der Kanzel und das Trenthorster Gestühl. Es gibt keine Hinweise über deren Verbleib. Zeitzeugen berichten von einem Feuer hinter dem Friedhof wegen angeblichen Holzwurmbefalls. Die alte Holzdecke wurde mit der heutigen Rundbogendecke überbaut, die Orgel dabei klanglich und optisch verändert, dies führte zu der heutigen hervorragenden Akustik der Kirche. Leider wurde der luftdurchlässige Fußboden durch in Betonestrich verlegte Platten ersetzt. Seitdem gibt es erhebliche Lüftungsprobleme im Kirchenraum durch die Feuchtigkeit unter dem sehr lehmhaltigen Kirchberg.

1962
Am 31. Mai, dem Himmelfahrtstag, wurde die renovierte Kirche eingeweiht.

1965
Nachdem das alte Pastoratgebäude abgerissen war, feierte man am 11. Juni das Richtfest des neuen Gebäudes (Pastorat und Gemeindehaus). Dieser Neubau wurde 1988/89 erheblich erweitert.

1974
begab sich Pastor Bredner in den Ruhestand und Pastor Adolf Lüdemann übernahm das Amt in unserer Gemeinde.

1980
Am 1. August kommt Pastor Erhard Warnke zu uns ins Kirchspiel, nachdem Adolf Lüdemann in den Ruhestand gegangen ist.

1981
wurde der Kinderspielkreis „Knirpsenland“ gegründet. Er wurde im Gemeindehaus untergebracht.
Im gleichen Jahr wurde ein neuer Kirchenchor gegründet, nachdem der 1924 gegründete Bachchor im 2. Weltkrieg sein Wirken aufgegeben hatte.

1985
Am 24. März feierte die Gemeinde das hundertjährige Jubiläum unseres Kirchengebäudes. Der Kirchenvorstand stiftete aus diesem Anlass einen neuen silbernen Abendmahlskelch.
Dieser Tag ist auch der Anlass für diese Rückschau, welche aus dem Material der verschiedensten Quellen zusammengetragen wurde.

1987
Am 31. August wechselt Pastor Warnke in eine andere Pfarrstelle. Pastor Christian Uecker wird Pfarrer z.A. (zur Anstellung).

1989
Am 15. Dezember wurde Pastor Christian Uecker in sein Amt als Pastor der Gemeinden Hamberge und Klein Wesenberg eingeführt.

1997
Am 1. August wurde der Neubau des „Sterntaler-Kindergartens“ der Kirchengemeinde eröffnet. Bereits seit dem 1. August 1996 gab es eine Kindergartengruppe im Gemeindehaus.

2001
Auf dem Dach des Kindergartens wurde eine Solaranlage installiert. Den Erlös erhält in jedem Jahr der Verein „Deutsch-Tansanische Partnerschaft“.

Der Chor feierte am 23. Juni sein zwanzigjähriges Bestehen und beschloss, fortan sich mit dem Chor der Paul-Gerhard-Gemeinde Lübeck zusammenzuschließen, gemeinsam zu proben und in beiden Gemeinden zu singen.

Am 11. Juli wurde ein Verein zur Förderung der Kirchenmusik in Klein Wesenberg unter dem Namen „Musik vor Ort“ gegründet.
2005
Ein Gemeindemitglied hat der Kirchengemeinde das Material für die Bestrahlung der Kirche gespendet. So wird es ab Herbst 2005 möglich, die Kirche abends anzustrahlen.

2007
Am 14. April erlag Pastor Christian Uecker plötzlich und unerwartet einem Herzinfarkt. In einer bewegenden Trauerfeier am 24. April in der Klein Wesenberger Kirche nahmen die Menschen der Gemeinden Hamberge, Klein Wesenberg und alle, die ihn kannten, Abschied.

2008
Am 1. Mai trat Pastor Erhard Graf sein Amt als Gemeindepastor für die Kirchengemeinden Hamberge mit 25 % der Dienstzeit und Klein Wesenberg mit 75 % der Dienstzeit an. Am 18. Mai erfolgte in einem Gottesdienst in der Kirche zu Klein Wesenberg die offizielle Amtseinführung.

Im Herbst erfolgte die Neugründung eines Chores unter der Leitung von Christoph Jacobi, nachdem der Wunsch nach einem eigenständigen Chor in der Kirchengemeinde immer stärker geworden war.

Das Obergeschoss des Gemeindehauses, von 1990 bis 2007 vom Kirchenkreis als Konfirmanden- und Jugendfreizeitheim genutzt, wurde nach gründlicher Renovierung vom Kirchenkreis an die Kirchengemeinde zurückgegeben. Es ist geeignet für kleine Gruppen (bis 12 Personen), Familien mit kleineren Kindern, Einzelgäste und Pilger.

2011
Am 28. November wurde ein „Verein zur Förderung der Kirchensanierung in Klein Wesenberg (Kirchenbauverein) gegründet, nachdem festgestellt worden war, dass eine Sanierung der Kirche mit einem Kostenaufwand von ca. einer halben Million Euro notwendig ist, um Kirchenvorstand und Pastor bei der Mittelbeschaffung und den Sanierungsarbeiten zu unterstützen.

2012
In der Zeit vom 05.09. bis 30.11. wurden das Dach und die Sandsteinabdeckungen an den Giebeln der Kirche mit einem Kostenaufwand von 320.000 € saniert. Diese Sanierungsarbeiten werden mit 81.806,72 € aus Mitteln der EU nach dem Zukunftsprogramm Ländlicher Raum bezuschusst.

2015
Der Kirchenbauverein regte eine Pflanzaktion für die Bepflanzung rund um die Kirche an und vermittelte für eine finanzielle Förderung den Erstkontakt zur Firma Fielmann, welche die Pflanzen stiftete. In diesem Zusammenhang wurde der Vorplatz vor dem Eingang der Kirche neu gestaltet.
Im gleichen Jahr wurden die Fenster der Südseite restauriert.

2017
Die Kirchengemeinde bekommt im Lutherjahr eine neue Internetseite.